Risse, 2018

Der Bunker als Skulptur

Der vorgestellte Entwurf macht das Mauerwerk als plastisches Material zum zentralen Arbeitsmittel. Das kriegsbedingte Bauwerk ist zwar seit langem in neuer Nutzung, seine massiven Mauern sind jedoch beständige, eindrückliche Zeugen der Geschichte Deutschlands. Der massive Beton wird in diesem Entwurf nicht nur Bildträger. Das Bild selbst wird ihm eingeschrieben, wie das Bauwerk die Zeitgeschichte, unsere Geschichte, durch seine Präsenz in die Gegenwart einschreibt.

Über die beiden Bunker Wandflächen ziehen sich zwei Risse. Sie sind in das Mauerwerk geschlagenen, max. ca. 20 cm tief und unregelmäßig. In beide Risse werden streckenweise Messingbänder eingefügt, um diese dunklen Vertiefungen partiell funkeln zu lassen. Das Band ist lediglich innerhalb der ausgeschlagenen Risse eingefügt und füllt diese nicht komplett aus. Ein ambivalentes Spiel zwischen einschneidendem Einbruch und strahlendem Aufbruch.

Die beiden Formen der Mauerrisse bilden konkret zwei lokal- und weltpolitisch verstörende Statistiken ab. Zum einen die Konflikte weltweit seit 1955, 10 Jahre nach dem 2. Weltkrieg, bis heute. Zum anderen die der Asylsuchenden gleichen Zeitraum - von 1955 bis 2017. Die Kohärenz der beiden Statistiken ist nicht zu übersehen. Ihre faktische Brutalität findet kaum eine adäquate Vorstellung im Bezug zur deutschen Geschichte.
(Auftraggeber: Stadt Kiel, nicht realisierter Entwurf, 2018)


Risse
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